Samstag, 9. August 2014

AlTaBu - Alte Taschenbücher sammeln

Taschenbücher werden im deutschsprachigen Raum eher selten gesammelt. Demzufolge finden sich auch kaum Veröffentlichungen für Sammler. Umfassendere Kataloge liegen, wenn man einmal von den bibliografischen Datensammlungen der DNB, ÖNB usw. absieht, m.W. nicht vor. Allerdings gibt es im Rahmen von Festschriften einzelner Verlage hier und da Publikationen, die sich mit der Produktion dieser Verlage beschäftigen. Eine seit längerem angekündigte Bibliografie der frühen deutschen Taschenbücher wurde bislang noch nicht veröffentlicht und muss vorerst als "work in progress" bezeichnet werden.

Was sollte man sammeln? - Zunächst einmal gilt hier: Alles, was interessant aussieht und den Sammler aus irgendwelchen Gründen anspricht, ist sammelnswert. Man könnte
  • sich auf bestimmte  Genres (Krimis, Science Fiction, Western, Erotik, etc.) konzentrieren,
  • einzelne Autoren sammeln,
  • versuchen, Ausgaben (Serien) bestimmter Verlage zu komplettieren,
  • optisch interessante Einbandzeichnungen/Illustrationen mehr oder weniger bekannter Illustratoren ins Zentrum seiner Betrachtungen rücken.
Wo findet man alte Taschenbücher? - Die klassischen Vertriebswege des Antiquariats gelten auch für Taschenbücher. Neben dem Stöbern in Antiquariaten ist das Augenmerk auch auf die - inzwischen selten gewordenen - Versandkataloge von Antiquariaten oder die bekannten Antiquariatsplattformen im Internet zur richten. Hinzu treten Auktionsportale im Internet, die ständig eine grosse Menge Taschenbücher anbieten. Des weiteren sind natürlich Floh- und Trödelmärkte interessant und auch die inzwischen durchaus häufiger anzutreffenden "öffentliche Bücherschränke" enthalten manchmal das eine oder andere Kleinod. (Letztere sollte man aber auch wieder befüllen!).

Was kosten diese "Schätzchen"? - Die meisten Taschenbücher sind im deutschsprachigen Raum eher preiswert. Für 1,00 € kann man duchaus ein Schnäppchen machen, manchmal - insbesondere bei bestimmten Titelbildillustratoren oder beliebten Autoren - muss man aber auch bereit sein, höhere Preise zu zahlen. Ich würde aber selbst für einen gut erhaltenen 'Klaus Dill' (Cover) nicht mehr als 10,00 € bezahlen. Demzufolge ist es m.E. auch bei geringem Budget derzeit gut möglich, eine interessante und vielfältige Sammlung aufzubauen.

Welche Erhaltungszustände gibt es? - Vom zerfledderten Leseexemplar, welches man nur mit spitzen Fingern anfasst, bis zum nahezu 'unberührten' druckfrischen Buch gibt es nahezu alles auf dem Markt. Aufgrund der teilweise hohen Druckauflagen sind viele Taschenbücher verhältnismässig oft im Angebot. Druckfrische Exemplare sind allerdings selten, schon einmaliges Lesen führt normalerweise dazu, dass sich am Buchrücken leichte Gebrauchsspuren finden. 
Der jeweilige Zustand sollte sich natürlich auch auf den Preis niederschlagen. Von Seiten der Comic- und Romanheftsammler wurde in den vergangenen Jahrzehnten ein sehr ausdifferenziertes System an Zustandsbeschreibungen entwickelt. 
So gehen z.B. die Romanheftsammler (lt. Romanpreiskatalog, 10. Aufl.) von 5 Hauptstufen und weiteren 12 Zwischenstufen aus. Dies liest sich dann beispielsweise so: Zustand 0-, d. h. "perfekt, druckfrisch (aber etwas schlechter)". Solche Beschreibungen finden bei manchen Angeboten im Internet Verwendung, sind mir aber zu stark untergliedert. Gary Lovisi (Collectible Paperbacks) spricht für den amerikanischen Raum bei Taschenbüchern nur von 3 Zuständen. Er unterscheidet zwischen: 
  • Fine (F) - beste Erhaltung (nahezu neuwertig, auf jeden Fall sammelnswert)
  • Very Good (VG) - sehr gute Erhaltung mit kleineren Macken (z.B. Rücken mit Knickspuren, und Titelillustration ohne grössere Defekte)
  • Good (G) - Gebrauchsexemplar (bedingt sammelnswert, komplett aber mit grösseren Macken, wie z.B. fehlenden Ecken)
Natürlich gibt es auch in diesem Klassifizierungssystem Zwischenstufen, die man aber nicht überbewerten sollte. Generell neigen viele Händler/Verkäufer dazu, die Bücher besser einzuschätzen, als sie wirklich aussehen.

Von der Flimmerkiste in den Schmökersessel - Printvarianten von TV-Serien

Die Verleger von Romanheftreihen und Büchern bekamen zwar seit den 1950er Jahren durch das immer umfangreichere TV-Angebot unliebsame Konkurrenz beim 'Kampf' um die Gunst des Publikums. Einige von ihnen erkannten aber auch, dass man sich diese Entwicklung zumindest teilweise zu Nutzen machen konnte. So entstanden Romanheftreihen oder Buchausgaben, die die Hauptpersonen und Themen erfolgreicher TV-Serien aufgriffen und von den Abenteuern und Erlebnisse der TV-Helden erzählten. Für das Fernsehen galt nun auch, was zuvor schon bei Buchausgaben, die sich auf Filme bezogen, üblich gewesen war. Teilweise gab es aber auch die umgekehrte Variante. Bekannte Figuren aus dem Romanheft- oder Buchbereich wurden zu Hauptfiguren von TV-Serien oder zu Filmhelden. Eine solche Entwicklung lässt sich mit der Verfilmung von Buchvorlagen vergleichen.

Man kann somit Bücher, die mit FILM/TV in Verbindung stehen, in drei Kategorien einteilen:

  • Kat. A · Bücher, die zuerst da waren und die später (mehr oder weniger werkgetreu) verfilmt werden und die eventuell sogar Basis ganzer Serien werden;
  • Kat. B · Novelizations, also Bücher, die einen Film nacherzählen;
  • Kat. C · Bücher, die das Personal eines Films verwenden, die aber eine eigenständige, neue Story erzählen. 
Oftmals diente die TV-Serienbezeichnung auch als Titel der Heftroman-, Comic- oder Buchreihe. Bei den Titelbildern der Einzeltitel handelte es sich vielfach um Standbilder aus den Filmen oder gelegentlich auch um Nachzeichnungen auf denen die aus dem Fernsehen vertrauten Gesichter der Hauptdarsteller leicht wieder erkannt werden konnten. Der TV-Serie 77 Sunset Strip widmete der Neue Tessloff-Verlag in Hamburg, der auch Comicfassungen von Fernsehserien in den Reihen Taschenstrip und Fernseh-Abenteuer in seinem Programm hatte, eine 40 Hefte umfassende Romanheftreihe, die von deutschen Autoren geschrieben wurde.

Auch die erste bemerkenswerte TV-SF-Serie des deutschen Fernsehen Raumpatrouille, in der von den 'Abenteuern des schnellen Raumkreuzers Orion' berichtet wurde, fand Beachtung bei den Verlegern. Zunächst erschienen etliche Texte in einer allgemeinen Heftreihe mit monographischen SF-Romanen, später gab es dann eine eigenständige Heftreihe sowie zahlreiche Taschenbuchausgaben. Im Jahr 1970 erschienen bei Friedrich W. Loh drei Taschenbüchern mit Romanen zur damals im ZDF gezeigten TV-Westernserie High Chaparral. Wenig später griff dann der Bastei Verlag diese Idee mehrfach auf. Von den TV-Western Rauchende Colts, Cimarron und Kung Fu gab es Romanadaptionen genau wie auch von der Krimireihe Kojak. Die bisherige Übersicht ist vermutlich nicht vollständig. Alle Hefte dieser Serien wuden in Deutschland geschrieben und man übernahm zumeist nur die Grundkonzeption der amerikanischen Serien. Bei Kung Fu ging man gar so weit, dass man neue Hauptfiguren einführte und nur die Serienbezeichnung übernahm.


Neben solchen einzelnen Serien gewidmeten Reihen traten andere, in denen abgeschlossene Geschichten zu verschiedenen Serien vorgelegt wurden. Einer der Vorreiter war hier wiederum der Neue Tessloff-Verlag bei dem die Comicreihen Fernseh-Abenteuer Taschenstrip veröffentlicht wurden. Bei Bastei erschienen u.a. zwei Taschenbuchreihen in den 1970er Jahren mit den Reihenbezeichnungen Fernseh Western und Fernseh-Krimi 
Die folgende Übersicht kann durchaus noch unvollständig sein.

Serie Romanheft  Comic  Taschenbuch  Hardcover 
Columbo Bastei + Heyne
Cimarron Bastei Bastei
Fernseh-Western
Fernseh-Abenteuer Neuer Tessloff-Verlag
Fernseh-Bücher | Fernseh-Buch Franz Schneider Verlag
Fernseh-Krimi Bastei
Fernseh-Western Bastei
Geheimauftrag für John Drake |
John Drake
Marken [englische TBs]
High Chaparral-Western Loh
Kojak Bastei Bastei
Fernseh-Krimi
Kung Fu Bastei Bastei (Heft)
Bastei (Comic-TB)
Orion Pabel/ Moewig Pabel/ Moewig
Rauchende Colts Bastei Bastei Bastei
Fernseh-Western
77 Sunset Strip Neuer Tessloff-Verlag Neuer Tessloff-Verlag Bastei | Heyne
Südwest Fernseh-Buch, Ein Südwest Verlag
Taschenstrip Neuer Tessloff-Verlag


Vielen Dank an Michael Kersten für seine hilfreiche Unterstützung!



Ein altes Krimi-Taschenbuch

Abgesehen von den zahlreichen umfangreichen Taschenbuchreihen gab's auch eine Vielzahl von kleinen - heute oftmals vergessenen - Reihen, wie z.B. die in Wiesbaden veröffentlichte kurzlebige Reihe DETEKTIV-CLUB. In den frühen 1950er Jahren erschienen hier insgesamt 14 Bände, darunter auch im Jahr 1952 der hier gezeigte Roman von Georges Simenon mit Kommissar Maigret.